Internationales Erzählfestival
17. bis 27. Februar 2005 in Bergisch Gladbach

zum Hintergrund, zum Entstehen,
zur Zielsetzung des Festivals

Stefan Kuntz: Herzlich willkommen!

Was macht Gläbisch so lebens- und liebenswert? Dat Klaafe! Na gut, es gibt noch ein paar andere Dinge, zum Beispiel, dass das Bergische Land mitten rein ragt in die City von Alt-Gladbach, dass man in Bensberg meint, eigentlich schon in Köln zu sein und doch schwebt man darüber..., und dass hier doch vieles umkomplizierter und freundlicher zu geht als in der Großstadt, die doch immer behaupten muss, eine mit Herz zu sein.
Und warum ist es hier ne deutliche Spur angenehmer, na eben wegen däm Klaafe!

Wobei wir auch schon beim Thema wären: Dat Verzälle gehört zum Klaafe, Strongks und Schwaade* oder umgekehrt.

In allen Kulturen wird erzählt, Erzählen gehört zum Mensch-Sein dazu, macht den Menschen erst aus. Und in allen Kulturen gibt es ganz verschiedene Arten von Erzählen:

Seit 25 Jahren erzähle ich Geschichten, nein, eigentlich schon viel länger. Denn angefangen hat meine "Karriere" als Wölflingsführer für den Stamm "Folke Bernadotte": da wollten meine Wölflinge doch unbedingt vor dem Einschlafen, dass ich eine Geschichte vorlese. Es gab aber kein Licht im Pfadfinderheim Dürscheid, keine Taschenlampe, keine Kerze, kein Buch. Also hab ich mir eine Geschichte ausgedacht: Ein Schrank geht auf..., aber jetzt gerate ich schon wieder ins Erzählen... -

So, jetzt habe ich also "Berufsjubiläum" und da ich keine goldene Uhr brauche, habe ich "meinem" Verein vorgeschlagen, statt der Uhr mir und Bergisch Gladbach ein Festival zu schenken. Und der Verein war auch gleich einverstanden, das lange und mühsam angesparte Geld zu investieren in dieses Gemeinwesen, damit hier noch mehr jeklaaft wird, Lebensfreude sich weiterentwickelt, damit diese Stadt weiterhin lebenswert bleibt.

Solche Investitionen sind nötig, Investitionen in Leben, in Menschen, mindestens so nötig wie Investitionen in Abwassersysteme. Und solche Investitionen sollten wir Bürger von unseren Politikern und Verwaltungen auch fordern.


Aber das ist ja auch das Nette, die Politiker hier haben offene Ohren (das ist für Erzähler immer gut) - nur mit den offenen Geldbörsen hapert es noch etwas, was ja angesichts der Zwangsjacke des Haushaltssicherungskonzepts nicht verwundert. Aber dafür springen einige Bürger ein und sind spendabel und begreifen ihre Verantwortung für unser lebendiges Kulturleben. Und die Medien auch. Und alle Mitstreiter auch. Ein herzliches Dankeschön.


Übrigens haben natürlich auch die Leser dieser Zeilen (die ja zu den Kunstinteressierten gehören - danke schön!) eine kulturelle Verantwortung.
Wenn Sie möchten, dass solche Veranstaltungen wie dieses Festival wiederholt werden und nicht sang- und klanglos verschwinden (die Gefahr ist sehr akut - in den nächsten Jahren wird die "Szene" in dieser Vielfalt nicht mehr existieren), dann klaafen Sie ein bisschen mit Ihren Nachbarn und Bekannten und sagen ihnen, dass ein Besuch in einer dieser Veranstaltungen ein Gewinn an Lebensfreude sein könnte.


Und dann werden wir das Festival 2007 wiederholen, und zwar ausgedehnt auf den gesamten Rheinisch-Bergischen-Kreis (Kooperationspartner sind uns schon jetzt willkommen!).

 

Und so kommt dieses Festival zustande mit 13 professionellen Künstlern aus 5 Ländern mit 19 Auftritten. So wird in Bergisch Gladbach erstmalig ein wirklich breites Spektrum der Erzählkunst gezeigt: von der Heimat in die weite Welt; vom Märchen bis zu Stories in der eher angloamerikanischen Tradition; von traditionellen Stoffen bis zu Schriftstellern als Erzählern; von Improvisationen bis zu festem Vortrag; Freies Erzählen und Lesung; teilweise mit Musikbegleitung oder mit Bühnenrequisiten; teils Theater - teils pures Erzählen; für Kinder wie für Erwachsene!

Herzlich willkommen!
Ihr Stefan Kuntz

* das Wort "Klaaf" bedeutet eigentlich Geschwätz; "en Klaafmul" ist ein bösartiger Schwätzer; "klaafen" kommt von Mund offen halten (klaffen), also schwätzen, ausschwätzen, verraten usw. Nur weiß das heute keiner mehr so genau. Manche kennen vielleicht den Spruch "Kölsche Klaaf, Alaaf!" und das ist wiederum positiv gemeint. Andererseits käme für einen lebhaften Gedankenaustausch im Wohlgefühl der platten Sprache am ehesten als das richtige Wort "Strongks" in Betracht. Das versteht aber heute keiner mehr und würde es vielleicht mit dem Kölschen Wort "Strunz" in Verbindung bringen, was Angeben, Prahlen, Großsprechen bedeutet. # nach: Herbert Stahl - Danke.

 

 

                                                                                                                                                      

Stand 10.12.2004

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